Schmid redet nur vor Fahne
SonntagsZeitung, 23.6.02

VBS-Chef kümmert sich nicht um Expo-1.-August-Konzept

Biel - Bundesrat Samuel Schmid, offizieller 1.-August-Redner, wird sein Pult auf der Bieler Arteplage mit einer Schweizerfahne schmücken lassen. Es kümmert ihn wenig, dass die von Martin Heller gecoachten Theaterschaffenden Lukas Bärfuss und Samuel Schwarz, die das offizielle 1.-August-Festspiel der Expo.02 inszenieren, «keine Fahnen dulden werden».

Die einstündige Aufführung der freien Berner Theatergruppe 400asa wird nach der Ansprache des Bundesrates uraufgeführt und auf allen Kanälen des Schweizer Fernsehens übertragen. Bereits in der letzten SonntagsZeitung deklarierte Bärfuss die Aufführung als «schweizerkreuzfreien Raum». «Es würde uns freuen, wenn Samuel Schmid daran teilnehmen würde, vorschreiben aber können wir es ihm nicht, wir sind bloss für unsere Aufführung zuständig», erklärte Bärfuss.

Expo hin, Theater her: Samuel Schmid wird mit Fahne auftreten. «Es ist zwar nicht gesetzlich verankert, aber am Pult des 1.-August-Redners hängt traditionellerweise eine Schweizerfahne. Das wird auch dieses Jahr kaum anders sein», erklärt sein Sprecher Oswald Sigg. Der Verteidigungsminister aus Rüti bei Büren ist eben nicht nur Traditionalist, sondern auch ausgesprochener Schweizerkreuz-Fan. Nach der Expo-Eröffnungsfeier hatter er sich im «Blick» beklagt: «Die Einzigen, die ich gesehen habe, waren auf der F/A-18, dem Helikopter und der Wolldecke auf meinen Knien.» Aus Protest nahm er zur Expo-Schwinget seine eigene Fahne mit.

«Man musste die Fahnen fast mit dem Feldstecher suchen», befand auch Expo-Präsident Franz Steinegger nach der Eröffnung. Er reagierte blitzschnell und verlangte «innert drei Tagen einen Vorschlag für die Beflaggung jeder Arteplage mit der Schweizerfahne, und zwar Ort, Masthöhe und Fahnengrösse». Seit Anfang Juni wehen am Turm 1 der Arteplage Biel sogar über hundert Schweizerflaggen. Drei Expo-Teams hatten in verschiedenen Gegenden des Landes, auf Bergpässen und in Schrebergärten alte Schweizer Fahnen gesammelt und tauschten diese gegen neue ein.

Festspiel-Autor Bärfuss hat «nichts gegen das Schweizerkreuz»

Es stehe der Schweiz keine fahnenfreie 1.-August-Feier bevor, beruhigt Steinegger: «Auf den Arteplages wehen genügend Fahnen, sodass bei der Fernsehübertragung die eine oder andere ins Bild kommen wird.» Obwohl sich Steinegger vehement für die Beflaggung der Expo.02 eingesetzt hat, findet er es jetzt in Ordnung, dass man der Theatergruppe 400asa diesbezüglich keine Vorschriften macht. «Die Aufführung ist ja nur ein Teil des Programms. Und so viel künstlerische Freiheit muss man ihnen lassen.» Er ist überzeugt, Schmids Auftritt werde die nötige Portion Patriotismus einbringen: «Bundesrat Samuel Schmid wird in seiner Rede bestimmt die richtigen Worte zum Schweizer Nationalfeiertag finden.»

Es gehe ihnen nicht darum zu provozieren, so Autor Bärfuss. «Wir haben nichts gegen das Schweizerkreuz. Wir möchten aber nicht damit arbeiten, weil wir neue Zeichen setzen wollen.» Auch für den künstlerischen Expo-Direktor Martin Heller ist das Ausrufen einer schweizerkreuzfreien Zone keine Provokation. Ob sich das Kreuzverbot auf die Bühne beschränkt, ist noch offen. Das liege in der Entscheidungskompetenz der Theatergruppe, sagt Heller. Am nächsten Donnerstag wird die Gruppe über ihr Projekt informieren.

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  Abb. 1