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DIE BAKCHEN - Der Bund - 01.03.2002

Dionysos' fürchterliche Rache

In beinahe totaler Finsternis hat 400asa Raoul Schrotts «Bakchen» nach Euripides als Schweizer Erstaufführung im Theaterhaus Gesserallee in Zürich inszeniert.saz. Die jüngste Produktion der Gruppe 400asa um den Regisseur Samuel Schwarz und den Autor Lukas Bärfuss bildet den Abschluss einer Retrospektive, in deren Rahmen bereits die Stücke «Medeää» und «Vier Frauen» von Lukas Bärfuss gezeigt wurden. Die Gruppe hat sich vor allem formalen Experimenten verschrieben.

In «Bakchen» klammert nun 400asa das tragende Bühnenelement des Lichts für einmal fast völlig aus. Man konzentriert sich auf ein «Theater für die Ohren», in mörderische Metzeleien wie auch sexuelle Männerprojektionen auf sich vergnügende Frauen nur verbal zum Zuge kommen - weil es doch gar zu grässlich wäre, dies alles in hellem Licht zu zeigen. Versprochen wird aber immerhin, dass die Aufführung schrecklich unterhaltsam sei, zum Brüllen komisch und fast unerträglich rhythmisch - doch verläuft sie dann doch relativ glimpflich. Der Halbgott Dionysos oder Bakchus zeigt sich dem Publikum immerhin kurz als blondmähnig gelockter Jüngling im lachsfarbenen Seidenpyjama, bevor alles in Dunkelheit versinkt. Erzählt, gesprochen und gesungen wird nun in meist enger Anlehnung an Euripides und klassisches Versmass, wie Dionysos sich an seinem Vetter Pentheus rächt, dem König von Theben, der nichts vom Dionysos-Kult hält: Dionysos lockt die Thebanerinnen aus der Stadt und verführt sie zu rauschhaften Bakchanalien. Pentheus zieht mit seinen Kriegern los, um die Frauen zurückzuholen, doch die Männer werden von den rasenden Bakchen in die Flucht getrieben. Pentheus selbst wird von seiner im Rausch wahnhaft verblendeten Mutter Agaue in Stücke gerissen.

Viel sanftes Gesäusel
Der rabenschwarze Theaterraum, in dem sich die Spieler problemlos frei umherbewegen, ist erfüllt von Geräuschen: von Stimmen und Musik, von Weinen und Kichern, von Getrampel und Getrippel. Manchmal zuckt irgendwo ein Licht auf, und auf einer Videowand wiegen sich singende Bakchen als Disco-Girls. Das verläuft alles ganz manierlich, einige der Mundartsongs erinnern an sanften Kuschel-Rock (Musik: Raphael Urweider), und sogar der Technosound hält sich in Grenzen. Das brutale Geschehen schlägt sich nur in der rhythmisch dahinfliessenden Sprache nieder, deren akustische Qualität jedoch zu wünschen übrig lässt.


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