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Dionysos' fürchterliche Rache
In beinahe totaler Finsternis hat 400asa Raoul Schrotts «Bakchen»
nach Euripides als Schweizer Erstaufführung im Theaterhaus
Gesserallee in Zürich inszeniert.saz. Die jüngste Produktion
der Gruppe 400asa um den Regisseur Samuel Schwarz und den Autor
Lukas Bärfuss bildet den Abschluss einer Retrospektive, in
deren Rahmen bereits die Stücke «Medeää»
und «Vier Frauen» von Lukas Bärfuss gezeigt wurden.
Die Gruppe hat sich vor allem formalen Experimenten verschrieben.
In «Bakchen» klammert nun 400asa das tragende Bühnenelement
des Lichts für einmal fast völlig aus. Man konzentriert
sich auf ein «Theater für die Ohren», in mörderische
Metzeleien wie auch sexuelle Männerprojektionen auf sich
vergnügende Frauen nur verbal zum Zuge kommen - weil es doch
gar zu grässlich wäre, dies alles in hellem Licht zu
zeigen. Versprochen wird aber immerhin, dass die Aufführung
schrecklich unterhaltsam sei, zum Brüllen komisch und fast
unerträglich rhythmisch - doch verläuft sie dann doch
relativ glimpflich. Der Halbgott Dionysos oder Bakchus zeigt sich
dem Publikum immerhin kurz als blondmähnig gelockter Jüngling
im lachsfarbenen Seidenpyjama, bevor alles in Dunkelheit versinkt.
Erzählt, gesprochen und gesungen wird nun in meist enger
Anlehnung an Euripides und klassisches Versmass, wie Dionysos
sich an seinem Vetter Pentheus rächt, dem König von
Theben, der nichts vom Dionysos-Kult hält: Dionysos lockt
die Thebanerinnen aus der Stadt und verführt sie zu rauschhaften
Bakchanalien. Pentheus zieht mit seinen Kriegern los, um die Frauen
zurückzuholen, doch die Männer werden von den rasenden
Bakchen in die Flucht getrieben. Pentheus selbst wird von seiner
im Rausch wahnhaft verblendeten Mutter Agaue in Stücke gerissen.
Viel sanftes Gesäusel
Der rabenschwarze Theaterraum, in dem sich die Spieler problemlos
frei umherbewegen, ist erfüllt von Geräuschen: von Stimmen
und Musik, von Weinen und Kichern, von Getrampel und Getrippel.
Manchmal zuckt irgendwo ein Licht auf, und auf einer Videowand
wiegen sich singende Bakchen als Disco-Girls. Das verläuft
alles ganz manierlich, einige der Mundartsongs erinnern an sanften
Kuschel-Rock (Musik: Raphael Urweider), und sogar der Technosound
hält sich in Grenzen. Das brutale Geschehen schlägt
sich nur in der rhythmisch dahinfliessenden Sprache nieder, deren
akustische Qualität jedoch zu wünschen übrig lässt.
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