PRESSEARCHIV

ÖDIPUS - DER BUND - 1.09.98
Comic-Helden aus der Antike

"Ödipus nach Sophokles" von Lukas Bärfuss in Zürich uraufgeführt durch die Gruppe 400 ASA.

Mit der Gruppe 400 ASA, einem Zusammenschluss von Absolventen der Schauspielakademie Zürich und anderen jungen Künstler, hat der Regiestudent Samuel Schwarz als Diplomarbeit die Uraufführung des Stücks "Ödipus nach Sophokles" des jungen Langenthaler Autors Lukas Bärfuss in der Unterführung am Escher-Wyss-Platz in Zürich inszeniert. Weil der alte Sophokles nicht nur "König Ödipus" , sondern auch "Antigone" geschrieben hat, die ihrerseits in einer Fassung von Brecht 1948 am Stadttheater Chur uraufgeführt wurde, erscheinen die Protagonisten Ödipus und Kreon in der neuen Nachdichtung im martialischen Kampfdress des EHC Chur, während für die anderen Figuren nur simple Wolldecken übrigbleiben. Ödipus, König von Thebe, residiert mit Gattin Iokaste in einer feudalen Sauna. Der blinde Seher Teiresias kommt im Rollstuhl vorgefahren, und der atemlos aus dem fernen Korinth angekeuchte Bote stützt sich auf einen antiken Skistock.
Sonst aber nimmt die tragische Story um die unentrinnbare Vorbestimmung des Schiksals, die Ödipus trotz oder vielmehr gerade wegen der vorsorglich getroffenen Gegenmassnahmen zum unfreiwilligen Mörder seines Vaters und zum Gatten seiner Mutter werden lässt, im grossen Ganzen doch ihren bekannten Verlauf. Mit einigen Abweichungen allerdings: Im Original nur erzählte Szenen werden live eingeblendet, und in einer Sprache, die teils aus schwerfüssig gebundenen Versen und teils aus saloppen Dialogen im Comic-Stil besteht, versucht Bärfuss, Ödipus als nicht so unschuldig darzustellen, wie er üblicherweise angesehen wird.

Der Regisseur Samuel Schwarz macht sich den schon von Autor teilweise vorgegebenen Comic-Stil auch in grotesken Bildern zunutze und lässt etwa Ödipus (Aletsch Wysi) als dümmlich-plumpen Jüngling und Iokaste (Heiko Probst) als hagere Tunte in Erscheinung treten. Am eindrücklichsten wirkt neben allerlei witzig eingesetzten Nebengeräuschen die mit Lichteffekten und viel Bewegung gestaltete Nutzung des bedrückend niedrigen, düsteren und weitläufigen Raums.

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