Comic-Helden
aus der Antike
"Ödipus nach Sophokles" von Lukas Bärfuss in
Zürich uraufgeführt durch die Gruppe 400 ASA.
Mit der Gruppe 400 ASA, einem Zusammenschluss von Absolventen der
Schauspielakademie Zürich und anderen jungen Künstler,
hat der Regiestudent Samuel Schwarz als Diplomarbeit die Uraufführung
des Stücks "Ödipus nach Sophokles" des jungen
Langenthaler Autors Lukas Bärfuss in der Unterführung
am Escher-Wyss-Platz in Zürich inszeniert. Weil der alte Sophokles
nicht nur "König Ödipus" , sondern auch "Antigone"
geschrieben hat, die ihrerseits in einer Fassung von Brecht 1948
am Stadttheater Chur uraufgeführt wurde, erscheinen die Protagonisten
Ödipus und Kreon in der neuen Nachdichtung im martialischen
Kampfdress des EHC Chur, während für die anderen Figuren
nur simple Wolldecken übrigbleiben. Ödipus, König
von Thebe, residiert mit Gattin Iokaste in einer feudalen Sauna.
Der blinde Seher Teiresias kommt im Rollstuhl vorgefahren, und der
atemlos aus dem fernen Korinth angekeuchte Bote stützt sich
auf einen antiken Skistock.
Sonst aber nimmt die tragische Story um die unentrinnbare Vorbestimmung
des Schiksals, die Ödipus trotz oder vielmehr gerade wegen
der vorsorglich getroffenen Gegenmassnahmen zum unfreiwilligen Mörder
seines Vaters und zum Gatten seiner Mutter werden lässt, im
grossen Ganzen doch ihren bekannten Verlauf. Mit einigen Abweichungen
allerdings: Im Original nur erzählte Szenen werden live eingeblendet,
und in einer Sprache, die teils aus schwerfüssig gebundenen
Versen und teils aus saloppen Dialogen im Comic-Stil besteht, versucht
Bärfuss, Ödipus als nicht so unschuldig darzustellen,
wie er üblicherweise angesehen wird.
Der Regisseur Samuel Schwarz macht sich den schon von Autor teilweise
vorgegebenen Comic-Stil auch in grotesken Bildern zunutze und lässt
etwa Ödipus (Aletsch Wysi) als dümmlich-plumpen Jüngling
und Iokaste (Heiko Probst) als hagere Tunte in Erscheinung treten.
Am eindrücklichsten wirkt neben allerlei witzig eingesetzten
Nebengeräuschen die mit Lichteffekten und viel Bewegung gestaltete
Nutzung des bedrückend niedrigen, düsteren und weitläufigen
Raums. |
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