Theaterjustiz
REITSCHULE / Mit einem «Volkstribunal» gegen
Premier Berlusconi, Stellvertreter Fini und Ex-Innenminister Scajola
ging die Ausstellung zum G-8-Gipfel in Genua 2001 zu Ende.
Für die gerichtsmässsige Umrahmung der echten Zeugenaussagen
von Opfern polizeilicher Misshandlungen war die Theatertruppe
asa400 besorgt, der breiteren Öffentlichkeit durch das «Affentheater»
an der Expo bekannt. An der Verurteilung wegen «Anstiftung
zur vorsätzlichen Tötung» (der Demonstrant Carlo
Giuliani war erschossen worden) und wegen einer langen Reihe weiterer
Anklagepunkte bestand von vornherein kein Zweifel. Immerhin gabs
Pflichtverteidiger, die mit ihren Ruhe-und-Ordnung-Parolen allerdings
eher darauf aus waren, Buhrufe auszulösen, die auch auf Tonband
bereitlagen.
Mit szenischen Einlagen suchte asa400 Hintergründe der
Konfrontation von Genua zu belichten. Auf der einen Seite standen
demnach Utopiegläubige, auf der andern Repräsentanten
einer Staatsmacht, die in die Hände faschistischer Verschwörer
gefallen ist. Paolo Fusi, Enfant terrible des Tessiner Journalismus,
erhielt auf der Bühne Gelegenheit, seine Skandalenthüllungen
zu globalisieren. Da führt eine direkte Linie nach Genua
von Geldern der Nazis und Faschisten über deren angebliche
Treuhänder Otto Beisheim, deutscher Grösstkaufmann,
und Licio Gelli, italienischer Geheimlogengründer. Die totalitäre
Unterwanderung der Demokratie, die dessen P2 plante, soll nun
Berlusconi gelungen sein. Auch eine Schweizer Spur fehlt nicht:
zum Tessiner Financier Tito Tettamanti, der jetzt als Hauptaktionär
der «Weltwoche» an der Entpolitisierung des Volks
durch die Medien mitwirke.
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