Special-effect-Theater
Weltuntergang an der Theater-Hochschule Zürich
gew. Kult ist die Basis von Jugendkultur, ja von In-Kultur überhaupt.
Und Kurzlebigkeit ist eines der Grundprinzipien dieses Phänomens,
das seine Unschuldeinerseits längst an die Werbewirtschaft
verloren, andererseits aber auch die Kunst aus den Fesseln des
Ewigkeitsgedankens befreit hat. Ganz in diesem Sinnemacht die
junge Schweizer Gruppe 400 ASA (benannt nach der Filmempfindlichkeitsnorm)
Theater für den Augenblick. Das gilt zumindest für ihre
jüngste Produktion, die in Zusammenarbeit mit der Theater-Hochschule
Zürich (ehemals Schauspielakademie) entstanden ist: In seinem
Stück «Siebzehn Uhr siebzehn» hat der 400-ASA-empfindliche
Nachwuchsautor Lukas Bärfuss Jugendkultur und Weltuntergangsphantasien
zu einer kultfähigen Mischung verbunden, die von Regisseur
Samuel Schwarz auf der Bühne in Form stilisierter Einzelbilder
belichtet wurde. - Der Weltuntergang, den eine Schulklasse (der
dritte Jahrgang der Theaterhochschule) auf ihrem Schulhof miterlebt,
orientiert sich zwar irgendwie an der biblischen Apokalypse, doch
die Auserwählten, die dem «Tier», dem Feuer und
sonstigen Vernichtungssymbolen entgangen sind, haben nicht etwa
Visionen von einer neuen, besseren Welt, sondern die ganz normalen
Probleme heutiger Pubertierender. Während sie auf einer Erdscholle
durchs All treiben, direkt auf das schwarze Loch QWZ87 zu, versuchen
sie es demjenigen recht zu machen, den sie jahrelang verspottet
haben: Ihr verhasster Mitschüler Fredu nämlich erweist
sich als ausserirdischer Initiator des Weltuntergangs. - Die Mischung
aus Daily soap, «Star Trek», DJ-Kultur und epischem
Theater gelingt immer dann, wenn sich die satte Geräuschkulisse
mit der perfekt choreographierten Körperlichkeit des Ensembles
zu filmhaften und videotauglichen Special effects verbindet. [
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