PRESSEARCHIV

SIEBZEHN UHR SIEBZEHN - NEUE ZüRCHER ZEITUNG - 15.01.2000
Special-effect-Theater
Weltuntergang an der Theater-Hochschule Zürich

gew. Kult ist die Basis von Jugendkultur, ja von In-Kultur überhaupt. Und Kurzlebigkeit ist eines der Grundprinzipien dieses Phänomens, das seine Unschuldeinerseits längst an die Werbewirtschaft verloren, andererseits aber auch die Kunst aus den Fesseln des Ewigkeitsgedankens befreit hat. Ganz in diesem Sinnemacht die junge Schweizer Gruppe 400 ASA (benannt nach der Filmempfindlichkeitsnorm) Theater für den Augenblick. Das gilt zumindest für ihre jüngste Produktion, die in Zusammenarbeit mit der Theater-Hochschule Zürich (ehemals Schauspielakademie) entstanden ist: In seinem Stück «Siebzehn Uhr siebzehn» hat der 400-ASA-empfindliche Nachwuchsautor Lukas Bärfuss Jugendkultur und Weltuntergangsphantasien zu einer kultfähigen Mischung verbunden, die von Regisseur Samuel Schwarz auf der Bühne in Form stilisierter Einzelbilder belichtet wurde. - Der Weltuntergang, den eine Schulklasse (der dritte Jahrgang der Theaterhochschule) auf ihrem Schulhof miterlebt, orientiert sich zwar irgendwie an der biblischen Apokalypse, doch die Auserwählten, die dem «Tier», dem Feuer und sonstigen Vernichtungssymbolen entgangen sind, haben nicht etwa Visionen von einer neuen, besseren Welt, sondern die ganz normalen Probleme heutiger Pubertierender. Während sie auf einer Erdscholle durchs All treiben, direkt auf das schwarze Loch QWZ87 zu, versuchen sie es demjenigen recht zu machen, den sie jahrelang verspottet haben: Ihr verhasster Mitschüler Fredu nämlich erweist sich als ausserirdischer Initiator des Weltuntergangs. - Die Mischung aus Daily soap, «Star Trek», DJ-Kultur und epischem Theater gelingt immer dann, wenn sich die satte Geräuschkulisse mit der perfekt choreographierten Körperlichkeit des Ensembles zu filmhaften und videotauglichen Special effects verbindet. […]


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