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SIEBZEHN UHR SIEBZEHN - TAGES ANZEIGER - 15.01.2000
Schulklasse auf dem Höllentrip

Samuel Schwarz und Lukas Bärfuss von 400 Asa schicken nach der Apokalypse einen Schulhof auf Irrfahrt im All. Originell.

Autor: Von Anja Lauper

Haben Sie "Event Horizon" gesehen? Das ist jenes ziemlich abgedrehte B-Movie eines zweitklassigen Hollywood-Regisseurs, wo die Besatzung einer Raum-Patrouille auf ein verlassenes Schiff stösst, das sich als die gute alte Hölle entpuppt. Samuel Schwarz und Lukas Bärfuss von der jungen Gruppe 400 Asa kennen erklärtermassen keine Berührungsängste mit dem Film oder der Trash-Kultur. Der fantastische Plot des Kult-Streifens gibt den Rahmen ab für das Stück "Siebzehn Uhr siebzehn", das Bärfuss geschrieben und Schwarz zusammen mit Studierenden des dritten Jahrgangs der Theater Hochschule Zürich erarbeitet hat.

Ein Stück über den Weltuntergang zum Millennium sollte es werden, das Jugendliche anzusprechen vermag. Die Uraufführung im Schauspiel Akademie Theater zeigt, dass 400 Asa ihre Aufgabe gründlich gelöst haben. Während die Zuschauer ihre Plätze suchen, macht sich DJ Frank Heierli im Space-Outfit am Mischpult zu schaffen. Gut sichtbar in einem ausgelassenen Fenster der Wand, welche die Bühne zur linken Seite abschliesst, legt Heierli einen atmosphärischen Soundteppich zwischen Jungle und jazzigem Bossa aus. Die Performance versetzt nicht einfach in Klub-Stimmung, sie ist wie fast alles an "Siebzehn Uhr siebzehn" Programm.

Ein Dogma fürs Theater

Aufsehen erregten Schwarz und Bärfuss mit ihrem "Bekenntnis 99", in dem sich 400 Asa nach dem Vorbild des dogmatischen dänischen Kinos zur Beschränkung der künstlerischen Mittel auf der Bühne bekannte. Regel sieben lautet: "Die Produktion der Musik muss sichtbar sein", und so schwebt der DJ samt Mischpult über unseren Köpfen. Auf der grau gelackten Bühne, die wie eine kalte Insel im Raum steht, geht alsbald buchstäblich die Post ab. Zwei Styroporsteine und zwei zerzauste Gummibäume machen das ganze Bühnenbild (Bühne: Chantal Wuhrmann). Nachdem sich die 13 Studierenden der Theater Hochschule mit ihren Rollen der Reihe nach vorgestellt haben, befinden wir uns auf einem eigenartigen Schulhof.

Eine ganze Klasse lümmelt auf dem Pausenplatz, von dem es kein Entrinnen gibt. Wer gehen will, prallt gegen imaginäre Scheiben. Denn der Schulhof ist eigentlich ein Raumschiff, in dem nach der Apokalypse die einzig überlebende Schulklasse auf QWZ87 zurast. Allmählich stellt sich heraus, dass Fredu (Michael von Burg), der Ausgeschlossene, die Klasse auf den Höllentrip geschickt hat. Per Handy lässt er "die Auserwählten" wissen, dass er nur durch Geschichten freundlich zu stimmen sei, in denen er die Hauptrolle spiele. Und so beginnen sich Esther (Vivianne Mösli), Gustaf (Christoph Römer), Daniel (Daniel Jesch) und Helene (Sibilla Semadeni) zu erinnern. In Sketches werden verschiedene Schlüsselszenen im Leben der Jugendlichen porträtiert. Eli (Manuel Bürgin) hasst seine Mutter, die den arbeitslosen Vater wegen eines gut situierten Verehrers im Stich liess. Helene knutscht mit Gustaf, der sich dauernd mit Eduard prügelt.

Es zeigt sich, dass Schwarz und Bärfuss spielerisch mit ihrem selbst auferlegten Dogma umzugehen wissen. Die Studierenden der Theater Hochschule arbeiten souverän mit den Mitteln der Pantomime und der Akrobatik. Eine ironische Geräuschkulisse wird Element der Handlung, so wenn Fredu als Godzilla über den Schulhof stampft. Weisse Leibchen und pelzige Polarhosen (Kostüme: Rudolph Jost) markieren den imaginären Wechsel vom Pausenplatz zum Raumschiff. Die Lichtgestaltung (Petra Waldisperger) schafft Räume und ermöglicht mit dem harten Wechsel von Licht und Dunkel die Adaption der filmischen Schnitttechnik für die Bühne. Kommt die Weltuntergangs-Kiste auch mit ziemlich viel ideologischem Überbau daher, so überzeugt die Produktion doch durch die Originalität und die Spiellust, mit der Schwarz/Bärfuss und die Studierenden der Theater Hochschule Zürich den Höllentrip in Szene setzen.

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