Die Schweiz ist ein Land der paedagogischen Idylle, ein Land der Lehrerinnen. In Schlabberpullis und Jeans sitzen sie an ihren Pulten und korrigieren Fehler. Von draussen dringen Kinderstimmen ins friedliche Lehrerinnen-Zimmer. Nichts kann diese grammatische Welt erschuettern. Auch nicht die sexuellen Attacken der Lehrerin Nummer zwei. "Geh mir an die Waesche" sagt sie. Diese Aufgabe wird prompt erledigt, so gruendlich wie das Putzen einer Wandtafel. Lang lebe das Kollegium.
Doch dann penetriert ein fremder Gast die Schulstuben-Ordnung. Zuerst per Brief vom Volksschulamt und dann hoechstpersoenlich: Alexander der Mazedonier. Da geht ein Ruck durch das Lehrerinnenzimmer: Man hat eine neue Aufgabe: Man muss den kriegsgeschaedigten Alexander integrieren. Die vier Frauen holen ihre Triangel und Schlaghoelzer und Tambourine hervor und begruessen ihren Gast.
Doch Alexander der Mazedonier foutiert sich um die Integrationsbemuehungen. Er frisst Junkfood, und liest Pornos und wixt, waehrend sich die Lehrerinnen auf die christliche Naechstenliebe besinnen.
Alexanders fruehreife Maennlichkeit stellt das weibliche Kollegium kopfueber. Die Integration misslingt, stattdessen werden die Lehrerinnen desintegriert, haemmern wild auf ihre Schulinstrumente ein und stopfen sich mazedonisches Sperma in den Mund. Das kann nicht gutgehen und endet tatsaechlich blutig.
Autor Lukas Baerfuss und Regisseur Samuel Schwarz erteilen dem Publikum Frontalunterricht. Unterrichtet wird eine Lektion in Sachen Asylproblematik. Der Glaube an Integration ist ein Hohn, wird dem Publikum gesagt. Denn die Graeben zwischen Heimat und Unheimat sind unueberwindbar. Eine verweiblichte Welt trifft auf maennliche Urkraft. Gutmenschen auf Kriminalitaet. Karitas auf den Schwanz.
Das Stueck "Vier Frauen, ein Singspiel" ist reine Provokation und richtet sich gegen alle, die der Asylproblematik noch blauaeugig entgegentreten. Richtet sich allerdings gegen das korrekte Schweizertum ebenso wie gegen das machoide Gehabe der zu Integrierenden. Richtet sich eigentlich gegen alles und alle. Vor allem aber gegen softe Sozis:
Wenn es frueher "etaper le bourgois" hiess, dann heisst es hier "etaper le socialiste", wobei offensichtlich nicht die politische Linke geht, sondern um die Kaste der Sozialarbeiterinnen und Paedagoginnen.
Doch was soll uns dieser Rundumschlag sagen? Auslaender raus, Tod allen Lehrerinnen? Wenn man weiss aus welchem Kuchen das Duo Schwarz und Baerfuss kommt, dann weiss man auch, dass es sich nicht um faschistoide Jugendliche handelt, die da Theater machen. Schwarz und Baerfuss kokettieren zwar mit Klischees aus verschiedenen Kuechen, aber bewahren formal Distanz. So zum Beispiel in der Besetzung des Mazedoniers, der von einer Frau gespielt wird. Oder mit dem Ton- und Musikteppich, der sich dem reaktionaeren Geschehen progressiv entgegenstellt.
Sicher ist, dass sich die Produktion von ASA400 inhaltlich auf einer Gratwanderung befindet, doch ist es eben gerade spannend dieser Gratwanderung zu folgen. Denn wenn die fundamentale Kritik am Gutmenschentum auch etwas einfach geraet, dann ist sie zumindest mutig und dezidiert.
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