PRESSEARCHIV

WILHELM TELL - 20 MINUTEN - 2 AUSGABEN, 15.9.2006

Ausgabe 1:
«Wilhelm Tell»-Inszenierung empört Zugs Bevölkerung

Der Regisseur der St. Galler Aufführung des «Wilhelm Tell» vergleicht den Schweizer Nationalhelden mit dem Zuger Amokläufer Leibacher. Die Zuger sind entsetzt.

«Fritz Leibacher, der Amokläufer von Zug wie auch der 9/11-Attentäter Mohammed Atta, an die wir in diesen Tagen zwangsläufig erinnert werden, haben mehr mit uns und Wilhelm Tell gemeinsam, als uns lieb ist», sagt Samuel Schwarz. Unter diesem Leitgedanken inszeniert der Regisseur in St. Gallen Schillers «Wilhelm Tell». Das Urteil über diesen Vergleich fällt in Zug eindeutig aus: «Das ist absolut geschmacklos. Die künstlerische Freiheit hat Grenzen, wenn die Integrität von Opfern tangiert wird», entsetzt sich der Zuger Nationalrat Gerhard Pfister (CVP).

Schwarz will den falsch verstandenen Heldenmythos des einsamen Schützen kritisieren, wie er sagt. Sein Vergleich geht vielen aber zu weit: «Leibacher in die Nähe von Tell zu rücken, bedeutet einen Stich in die Herzen der Angehörigen», ärgert sich der Zuger FDP-Ständerat Rolf Schweiger.

Zurückhaltend äussern sich die Zuger Kulturschaffenden. August P. Villiger, Intendant der Theater und Musikgesellschaft, könnte sich eine Aufführung vorstellen: «Ich müsste zuerst aber überzeugt werden, dass Gefühle nicht verletzt werden und das Stück frei von Effekthascherei ist.»

Daniela Gigor

Ausgabe 2:
Tell mit Amokläufer Leibacher verglichen

Die St. Galler Theateraufführung von Schillers «Wilhelm Tell» sorgt schon vor der Premiere am 29. September für rote Köpfe: Der Regisseur Samuel Schwarz sieht den Schweizer Nationalhelden als Terroristen und vergleicht ihn mit dem Zuger Amokläufer Fritz Leibacher und dem 9/11-Attentäter Mohammed Atta.

Seine Interpretation stösst auf Empörung: «Leibacher in die Nähe von Tell zu rücken, bedeutet einen Stich in die Herzen der Angehörigen», sagt der Zuger FDP-Ständerat Rolf Schweiger.

«Fritz Leibacher, der Amokläufer von Zug, und Mohammed Atta, an die wir in diesen Tagen zwangsläufig erinnert werden, haben mehr mit uns und Wilhelm Tell gemeinsam, als uns lieb ist.» Nach diesem Leitgedanken inszeniert der Regisseur Samuel Schwarz Schillers «Wilhelm Tell» am Theater St. Gallen. Er wolle unter anderem den falsch verstandenen Heldenmythos des einsamen Schützen kritisieren, sagt Schwarz. Sein Tell hat am 29. September Premiere.

Der Vergleich des mythischen Nationalhelden mit einem realen Terroristen und einem gestörten Amokschützen löst Unverständnis aus: «Das ist unerhört und nicht angebracht», empört sich SVP-Nationalrat Toni Brunner. Für CVP-Parlamentarierin und Präsidentin der nationalrätlichen Kulturkommission Kathy Riklin ist das Gleichnis «absurd» und «realitätsfern».

Der Zuger Ständerat Rolf Schweiger (FDP) ist entsetzt: «Leibacher in die Nähe von Tell zu rücken, bedeutet einen Stich in die Herzen der Angehörigen.» Die künstlerische Freiheit habe Grenzen, wenn die Integrietät von Opfern tangiert wird, betonte Nationalrat Gerhard Pfister (CVP, ZG).

(hus/dgr)


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