| Harmlose
Tell-Premiere am Theater St. Gallen
St. Gallen. SDA/baz. Die Proteste um die Tell-Produktion am Theater
St. Gallen sind am Premierenabend am Freitag ausgeblieben. Regisseur
Samuel Schwarz setzt in der Inszenierung Wilhelm Tell mit dem
Zug-Attentäter Fritz Leibacher gleich.
Die umstrittene Szene in Friedrich Schillers Schauspiel Wilhelm
Tell folgt im vierten Aufzug: Tell (Bruno Riedl) tritt mit Polizeijacke
und einem Sturmgewehr auf die Bühne. Sohn Walter Tell sitzt
als Selbstmordattentäter im Publikum.
Der Wink ist unmissverständlich: Regisseur Samuel Schwarz
setzt Wilhelm Tell mit dem Attentäter Fritz Leibacher im
Zuger Kantonsrat gleich. Tell gleicht ihm auch äusserlich.
Diese Zuspitzung hatte der Regisseur im Vorfeld angekündigt
und damit eine Welle der Empörung ausgelöst. In einer
Einladungskarte zur Tell-Produktion hiess es, Fritz Leibacher,
der Amokläufer von Zug, und Mohammed Atta, an welche sich
die Schweiz dieser Tage zwangsläufig erinnert, hätten
mehr mit dem Land und Wilhelm Tell gemeinsam, als allen lieb sein
könne.
Habsburger als Amerikaner
Möglicherweise hat Schwarz seiner Regiearbeit kurz
vor der Premiere noch die schärfsten Zähne gezogen.
Zum Skandal wurde die Tell-Produktion jedenfalls nicht. Leibacher
ist in der Tell- Produktion eine von vielen Figuren. Die Habsburger
treten als amerikanische Besatzungsmacht in Erscheinung. Schwarz
lässt den Tell im Gefangenenlager Guantanamo und im irakischen
Gefängnis Abu Graib spielen.
Der Regisseur sagte vor der Premiere gegenüber der Nachrichtenagentur
SDA, er bedaure die einseitige Darstellung seiner Produktion in
den Medien. Es habe eine regelrechte Hetzjagd auf seine Person
stattgefunden.
Der erwartete Skandal blieb aus. Protest aus dem Publikum gab
es keine. Eher herrschte Ratlosigkeit vor.
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