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theäterlet
400asa mischt neuerdings in der Schweizer Kulturpolitik mit und
kämpft für mehr Qualität im Filmschaffen. Am Anfang
des zweijährigen Laborprojektes steht eine Pressekonferenz
in der Roten Fabrik.
Von Charlotte Staehelin
Mittelmass, wohin das Auge reicht. Mehrheitsfähige Kompromisse,
seichte, politisch korrekte Drehbücher, ein einengendes Primat
von Technik und Drehplan, Regisseure mit Furcht vor dem Theater
und ein übermächtiges Fernsehen, das auch die Kriterien
für die Kinospielfilme dominiert. So beurteilt die freie
Gruppe 400asa das aktuelle Schweizer Filmschaffen.
Schmerzlich vermisst werden mächtige Frauen auf den Filmsets,
der Ensemblefilm sowie die kreative Energie, die sich bei engagierter
szenischer Arbeit zwischen Regie und Spielenden entwickelt.
Schwarz' schwarze Kugel
Und so stellt sich die polemische Frage: Weshalb will dieses
Land keine guten Filme? Gute Filme sind für 400asa schmutzige
Filme, welche diffuse Ängste und Neurosen schonungslos thematisieren.
«Niemand schaut in diesem Land in die schwarze Kugel der
Angst», moniert Regisseur Samuel Schwarz.
Doch wenn man da nicht hinsehe, komme man nicht weiter. Wagemutig
macht sich 400asa auf, das Fürchten zu lernen. Für zwei
Jahre verlässt die Gruppe ihre Theaterstammlande und begibt
sich in die Hölle des untersubventionierten Filmschaffens.
Um den Graben zwischen Film und Theater aufzuschütten, die
Synergien zu nutzen und neue, effektive Produktionsformen zu entwickeln.
Der erste Schritt wird an einer Pressekonferenz in der Roten Fabrik
gemacht.
Fünf unterschiedliche Filmstoffe haben Barbara Teerporten-Maurer,
Wanda Wylowa, Urs Bräm, Michael Sauter, Samuel Schwarz und
Philipp Stengele kreiert, die über mehrere Staffeln hinweg
entwickelt und der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen.
Die Themen wurzeln im Filmbusiness, im Filz, den Dramen und alltäglichen
Tragödien der Regisseure, Drehbuchautorinnen, Produzenten
und (unbegabten) TV-Redaktorinnen. So heftet sich etwa Wanda Wylowa
als kleine Detektivin an die Fersen zweier Regisseure der 68er-Generation,
die vor wenigen Jahren einen mutmasslichen Mörder mit zwei
Filmen gedeckt und reingewaschen haben.
Dokumentation des Gescheiterten
Alle fünf Arbeiten werden vom Schmerz gespiesen. Vom Neid
und dem erbitterten Überlebenskampf, der das Schweizer Filmschaffen
prägt. Die Projekte werden ordentlich beim Bundesamt für
Kultur (BAK) eingereicht, das Schicksal der Anfragen wird im Internet
dokumentiert und fliesst in die konkrete Arbeit ein.
Flankierend arbeitet der Historiker Christoph Kohler an einer
Recherche zu gescheiterten Filmprojekten. Filmproduzenten sind
aufgerufen,Materialien zu Projekten einzureichen, welche die Hürde
der Finanzierung nicht geschafft haben, langsam ausgeblutet sind
oder inhaltlich zensuriert wurden. Ausserdem initiiert 400asa
für Künstlerinnen mit einschlägiger TV-Film-Erfahrung
eine «IG besserer TV-Film». Und offeriert als Zückerchen
auf der Homepage über Podcast und Videoblog kleine, extrablöde
Comedy-Stücke zum Thema, welche in der seriösen Recherche
keinen Platz finden und doch ein Ventil brauchen.

400asa-Bildrätsel: Die Kugel der Angst? Ein Versuchsballon?
Oder ein Sack voll sackguter Filmideen?
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