«Die
letzte Chance»
400asa geht neue Wege
Der Film als Vorhölle
Die Theatergruppe 400asa, bekannt für freche Produktionen
mit jeweils schmalem Budget, ist ins Filmgeschäft eingestiegen:
«Die letzte Chance» heisst die Expedition.
Karl Wüst, SFD
«Limbo», Vorhölle, so heisst diese Performance
im abgedunkelten Proberaum der Roten Fabrik, von wo 400asa aufbricht
zu ihrem zweijährigen Tripp in die Gefilde des Schweizer
Films. Umgeben von halb gefüllten Champagnergläsern
liegt auf einem weiss gedeckten Tisch das Skelett eines Kuhschädels
mit gefährlich spitzen Hörnern. Hier geht's um das pralle
Leben, aber auch um den Tod.
Ein anderer Tisch trägt aufgespiesste Puppenköpfe.
Sie werden später ihre Schatten bedrohlich auf die Wand werfen.
Und die grosse Kugel in der Mitte des Raums? Sie ist - so vernimmt
man bald - gefüllt mit der «Angst und dem Hass von
Solothurn», jenem «schrecklichen und traurigen Ort»,
wo sich alljährlich die Schweizer Filmprominenz trifft.
«Drink a glass of Champagne»
Dies sagt eine samtweiche männliche Stimme aus dem Off in
akzentfreiem Englisch.
Ratlos, aber erwartungsvoll steht das zur Pressekonferenz erschienene
Publikum, alles «professionals», im Raum rum, bevor
diese Stimme verführerisch anhebt: «Come in, relax,
drink a glass of Champagne, feel free.» Und sofort fühlt
man sich wie jeweils am Sonntagabend, wenn man sich zu Hause aufgeräumt
einen neuen Schweizer Fernsehfilm anschaut.
Schmunzelnd hört man sich den vor Ironie triefenden Text
an. In seiner trockenen Poesie schlägt er rätselhaft
Purzelbäume, geht verschlungene Wege bis zum Bordell jenseits
der Strasse, dessen rote Lichter durch die Fenster des Proberaums
leuchten.
Schweizer Filmschaffen befreien
Immer wieder fliesst das Schweizer Filmschaffen in die Rede hinein.
400asa um den Texter und Regisseur Samuel Schwarz möchte
helfen, «es international wieder auf die Beine zu stellen,
es von seiner für moderne Menschen schwer erträglichen
Provinzialität zu befreien. Diese Arbeit wird <Die letzte
Chance> leisten», sagt die Stimme. Und man ist nahe dran,
ihr die Verzweiflung und den Tatendrang abzunehmen.
Ganze zwei Jahre dauert die Expedition der Gruppe. «Tell.Terrorist»,
«Lucies letzte Chance», «Der Üetlibergmörder»
und «Ferienhaus. Horror» heissen die viel versprechenden
Stoffe, in die 400asa noch im Dezember erste Einblicke gibt. Präsentiert
werden die filmisch-theatralen Umsetzungen - sie heissen «Hölle»,
«Fegefeuer», «Hölle II» und «Paradies»
- bis 2007 an verschiedenen Theaterorten in Zürich.
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