PRESSEARCHIV

DIE LETZTE CHANCE- Der Zürcher Oberländer, 3.12.2005
«Die letzte Chance»
400asa geht neue Wege
Der Film als Vorhölle

Die Theatergruppe 400asa, bekannt für freche Produktionen mit jeweils schmalem Budget, ist ins Filmgeschäft eingestiegen: «Die letzte Chance» heisst die Expedition.

Karl Wüst, SFD

«Limbo», Vorhölle, so heisst diese Performance im abgedunkelten Proberaum der Roten Fabrik, von wo 400asa aufbricht zu ihrem zweijährigen Tripp in die Gefilde des Schweizer Films. Umgeben von halb gefüllten Champagnergläsern liegt auf einem weiss gedeckten Tisch das Skelett eines Kuhschädels mit gefährlich spitzen Hörnern. Hier geht's um das pralle Leben, aber auch um den Tod.

Ein anderer Tisch trägt aufgespiesste Puppenköpfe. Sie werden später ihre Schatten bedrohlich auf die Wand werfen. Und die grosse Kugel in der Mitte des Raums? Sie ist - so vernimmt man bald - gefüllt mit der «Angst und dem Hass von Solothurn», jenem «schrecklichen und traurigen Ort», wo sich alljährlich die Schweizer Filmprominenz trifft.

«Drink a glass of Champagne»

Dies sagt eine samtweiche männliche Stimme aus dem Off in akzentfreiem Englisch.
Ratlos, aber erwartungsvoll steht das zur Pressekonferenz erschienene Publikum, alles «professionals», im Raum rum, bevor diese Stimme verführerisch anhebt: «Come in, relax, drink a glass of Champagne, feel free.» Und sofort fühlt man sich wie jeweils am Sonntagabend, wenn man sich zu Hause aufgeräumt einen neuen Schweizer Fernsehfilm anschaut.

Schmunzelnd hört man sich den vor Ironie triefenden Text an. In seiner trockenen Poesie schlägt er rätselhaft Purzelbäume, geht verschlungene Wege bis zum Bordell jenseits der Strasse, dessen rote Lichter durch die Fenster des Proberaums leuchten.

Schweizer Filmschaffen befreien

Immer wieder fliesst das Schweizer Filmschaffen in die Rede hinein. 400asa um den Texter und Regisseur Samuel Schwarz möchte helfen, «es international wieder auf die Beine zu stellen, es von seiner für moderne Menschen schwer erträglichen Provinzialität zu befreien. Diese Arbeit wird <Die letzte Chance> leisten», sagt die Stimme. Und man ist nahe dran, ihr die Verzweiflung und den Tatendrang abzunehmen.

Ganze zwei Jahre dauert die Expedition der Gruppe. «Tell.Terrorist», «Lucies letzte Chance», «Der Üetlibergmörder» und «Ferienhaus. Horror» heissen die viel versprechenden Stoffe, in die 400asa noch im Dezember erste Einblicke gibt. Präsentiert werden die filmisch-theatralen Umsetzungen - sie heissen «Hölle», «Fegefeuer», «Hölle II» und «Paradies» - bis 2007 an verschiedenen Theaterorten in Zürich.


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