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TÖDLICHE KAMERA
Die Zürcher Theatergruppe 400asa
ked. Eine dicke Seminararbeit und eine noch dickere Überraschung!
Das neue, schier kiloschwere Konzeptdossier jener ambitionierten
Zürcher Theaterkracher, die uns unter dem Namen 400asa seit
acht Jahren immer wieder die Bühnenwelten um die Ohren fliegen
lassen, fällt nicht gerade in die Kategorie Verführungskunst.
Doch der aktuelle Abend zum Konzept ist ein Musterstück
theatraler ars amatoria: "Enfer" macht über weite
Teile höllisch Spass. So sieht man der Formation die angestammten,
retardierenden Albernheiten gerne nach. In der zweiten Staffel
wird die Entstehung des Theaterfilms "Othello-ein Blue Movie"
auf die Leinwand geworfen, nach einem Text von Bärfuss, in
der Regie von Lene Markusen und Samuel Schwarz, mit komischem
Live-Kommentar von Rodrigo Darsteller Ingo Heise und fetziger
Live Vertonung von Ted Gaier und Chrischi Weber.
Da bekommt der Zuschauer viel für sein Billet: einen "Othello",
in dem die Kamera zum eigentlichen Mörder wird, sein selbstironisches
"the Making of" und drumherum Kabarett mit kunstpolitischem
Anspruch. Was er zum Glück und bei allem Extemporieren über
pornographisches Inszenieren nicht bekommt, ist ein Blue Movie.
Der unfreiwillige Hauptdarsteller ist das hiesige Schauspielhaus.
Als die "Othello"-Szenen entwickelt wurden, konnte noch
keiner ahnen, dass der Schauspielhausintendant Matthias Hartmann
das gleiche Stück geplant hatte - und das dessen Premiere
wegen eines Streiks auf just das gleiche Wochenende verschoben
werden musste. Aber die 400asa-Narren wären nicht die dramatischen
Zampanos, als dir sie kennen, wenn sie diesen Zufall nicht zu
nutzen wüssten: etwa mit einem akkustischen Trailer vor der
eigentlichen Vorstellung, der den (angeblich) desolaten Zustand
des Schweizer Filmschaffens mit der "Rebellion am Schauspielhaus"
zu einer frechen Tonkonserve verquickt.
Dass Mira Bartuschek nun am Schauspielhaus die Desdemona gibt
und im 400asa Cast neben Philipp Stengele (ein genial verrückter
Othello), Ingo Heise, Thomas Kügel (Jago, schön schmierig),
Ted Gaier und Patrycia Ziolokowska (keusch alle Männer kirre
machend: Desdemona) figuriert, ist das Sahnehäubchen auf
dieser dicken, fetten Shakespeare-Schnitte. Ein echter kulturpolitischer
Katalysator aus dem Filmlabor von 400asa lässt noch auf sich
warten - Zeit für zwei süss-sündige Stunden im
Enfer.
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