PRESSEARCHIV

DIE LETZTE CHANCE - ENFER- TAGESANZEIGER, ZUERITIPP, 22.2.2006

Filmpolitik im Theater
Die Kulttruppe 400asa setzt ihre «Expedition ins Filmgeschäft» mit der 2. Staffel fort. Ziel der Reise: «Enfer».
Das Schweizer Fernsehen sehe sich vor!

Von Philipp Gut

Die Leute von 400asa sind Profi-Provokateure. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist, sich an etwas zu reiben. Wobei die theatralische Reibungswärme oft kühle Reaktionen hervorruft. Ein Stück über den Skirennfahrer Silvano Beltrametti versuchten dessen Anwälte abzusetzen. Schon damals nahm 400asa auch das Fernsehen aufs Korn - und diese Hassliebe pflegen sie nun weiter. «Die letzte Chance» heisst eine fünfteilige «Expedition ins Filmgeschäft», die im Dezember mit einer «Eröffnungs-Pressekonferenz» in der «Vorhölle» begann und jetzt mit der 2. Staffel unter dem Titel «Enfer» fortgesetzt wird. Die Expedition sprengt die Grenzen üblicher Theateraufführungen. Die 400asa-Crew inszeniert nicht bloss, sie interveniert auch. Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung sind bei ihr nicht zu trennen. In der Hölle, in der sie nun Station macht, zeigt 400asa den Film «Othello - ein Blue Movie». Der «nachgestellte Dokumentarfilm» soll eine «zärtlich-brutale Reflexion über die Nähe des Kunstbetriebs zur Pornoindustrie» sein.

Als flankierende Massnahme zur Anhebung des Niveaus einheimischen Filmschaffens verbreitet 400asa einen «filmpolitischen Brief», der die «Macht des Fernsehens» in der Spielfilmförderung kritisiert. Gleichzeitig wird die von der Theatertruppe - äh, Filmtruppe - initiierte «IG SchauspielerInnen für besseren TV-Film» in «Enfer» eine Liste von Forderungen und Thesen vorlegen, die «eine Diskussion unter Filmschaffenden auslösen» sollen. Dem «züritipp» liegen einige dieser Forderungen bereits vor. So fordert 400asa die Neubesetzung der TV-Filmredaktion des Schweizer Fernsehens, die Aufwertung des Berufs Drehbuchautor, mehr Variation bei der Besetzung, mehr internationalen Erfolg durch mutigere Experimente, Transparenz bei Castings sowie die «Förderung von Kreativteams statt deren Sprengung». Ein Schuft, wer bei diesem letzten Punkt an das «Kreativteam» von 400asa denkt. (Im Netz führt 400asa den kulturpolitischen Kampf unter www.400asa.ch.)

 


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