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Filmpolitik im Theater
Die Kulttruppe 400asa setzt ihre «Expedition ins Filmgeschäft»
mit der 2. Staffel fort. Ziel der Reise: «Enfer».
Das Schweizer Fernsehen sehe sich vor!
Von Philipp Gut
Die Leute von 400asa sind Profi-Provokateure. Ihre Lieblingsbeschäftigung
ist, sich an etwas zu reiben. Wobei die theatralische Reibungswärme
oft kühle Reaktionen hervorruft. Ein Stück über
den Skirennfahrer Silvano Beltrametti versuchten dessen Anwälte
abzusetzen. Schon damals nahm 400asa auch das Fernsehen aufs Korn
- und diese Hassliebe pflegen sie nun weiter. «Die letzte
Chance» heisst eine fünfteilige «Expedition ins
Filmgeschäft», die im Dezember mit einer «Eröffnungs-Pressekonferenz»
in der «Vorhölle» begann und jetzt mit der 2.
Staffel unter dem Titel «Enfer» fortgesetzt wird.
Die Expedition sprengt die Grenzen üblicher Theateraufführungen.
Die 400asa-Crew inszeniert nicht bloss, sie interveniert auch.
Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung sind bei ihr nicht
zu trennen. In der Hölle, in der sie nun Station macht, zeigt
400asa den Film «Othello - ein Blue Movie». Der «nachgestellte
Dokumentarfilm» soll eine «zärtlich-brutale Reflexion
über die Nähe des Kunstbetriebs zur Pornoindustrie»
sein.
Als flankierende Massnahme zur Anhebung des Niveaus einheimischen
Filmschaffens verbreitet 400asa einen «filmpolitischen Brief»,
der die «Macht des Fernsehens» in der Spielfilmförderung
kritisiert. Gleichzeitig wird die von der Theatertruppe - äh,
Filmtruppe - initiierte «IG SchauspielerInnen für besseren
TV-Film» in «Enfer» eine Liste von Forderungen
und Thesen vorlegen, die «eine Diskussion unter Filmschaffenden
auslösen» sollen. Dem «züritipp» liegen
einige dieser Forderungen bereits vor. So fordert 400asa die Neubesetzung
der TV-Filmredaktion des Schweizer Fernsehens, die Aufwertung
des Berufs Drehbuchautor, mehr Variation bei der Besetzung, mehr
internationalen Erfolg durch mutigere Experimente, Transparenz
bei Castings sowie die «Förderung von Kreativteams
statt deren Sprengung». Ein Schuft, wer bei diesem letzten
Punkt an das «Kreativteam» von 400asa denkt. (Im Netz
führt 400asa den kulturpolitischen Kampf unter www.400asa.ch.)
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