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Filmisches Fegefeuer
Premiere von "Purgatoire"
mit 400asa im Theaterhaus Gessnerallee
Anne Suter, sfd Zuerich (sfd)
"Purgatoire", Fegefeuer, heisst die dritte Staffel
der 400asa-Show "Die letzte Chance". Im Theaterhaus
Gessnerallee in Zuerich erlebt das Publikum einen Filmdreh aus
naechster Naehe.
Der Premierenabend am Freitag beginnt mit dem, was fuer gewoehnlich
zum Schluss kommt: Essen und Trinken. In bester Fernsehmanier
begruesst ein Ansager die Zuschauer um Punkt acht Uhr zum "ersten
programmatischen Akt, dem Warten". Damit die Warterei ertraeglich
ist, erklaert er auch gleich das ueppige Buffet fuer eroeffnet.
Aus vier mach eins
Es gibt indes noch eine zweite Moeglichkeit, sich die Wartezeit
zu verkuerzen, und die wird denn auch rege genutzt. Im Theatersaal
kann man den Leuten von 400asa bei der Arbeit am Episodenfilm
"Hybrid" zuschauen. Darin werden vier bestehende Filmstoffe
zu einem einzigen Streifen kombiniert.
Die fuer ihre Low-Budget-Produktionen mit Sprengkraft bekannte
Theatergruppe 400asa startete ihre "Expedition ins Filmgeschaeft"
im vergangenen Dezember. Die Truppe bedient sich bei ihren Filmen
stets einer speziellen Drehtechnik: Zuerst wird die Tonspur produziert,
dann kommen die Bilder hinzu; ferner wird alles am Stueck gefilmt.
Kritik am Filmgeschaeft
Beim Betreten des Theatersaals weiss man gar nicht recht, wo hinschauen
- soviel ist los. Hier streitet sich ein Paar mit Baby, da wird
ein Mordverdaechtiger verhoert, dort unterhaelt sich Wilhelm Tell
mit Gessler. Der Kameramann bewegt sich, gemaess Drehbuch und
Ton aus den Lautsprechern, von einer Szene zur andern. Auch nach
einer Stunde begreift man den absolut wirren Inhalt dessen, was
sich da vor einem abspielt, nicht. Doch vielleicht ist das gar
nicht noetig? Klar ist einzig, dass immer wieder das (Schweizer)
Filmgeschaeft thematisiert und indirekt kritisiert wird, und genau
darum geht es 400asa in ihrem mehrjaehrigen Projekt ja.
Langstrassen-Roadmovie
Kurz nach neun laedt der Ansager das Publikum schliesslich zum
Hoehepunkt der Premiere (an den andern Abenden entfaellt dieser
Programmteil, dafuer findet jeweils eine Diskussion mit Gaesten
statt): die Vorfuehrung des Films "Vom Limmatplatz zum Xenix".
Dieser wurde unmittelbar vorher gedreht, wiederum zu bestehender
Tonspur.
Das "Langstrassen-Roadmovie", das am WM-Finaltag definitiv
produziert werden soll, ist eine wackelige Angelegenheit. Die
Faszination des inhaltlich eher langweiligen Streifens besteht
darin, dass es dem Team gelingt, die Bilder der Tonspur anzupassen
- ohne den Dreh auch nur ein einziges Mal zu unterbrechen.
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