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Dem Schweizer Film auf die Beine helfen
Von Nina Scheu
Die freie Theatergruppe 400asa hat sich spezialisiert: Seit Anfang
Jahr produziert der kreative Haufen Filme mit ganzheitlich künstlerischem
Anspruch.
«Ein Sack voll Flöhe», dachte, wer der wild
diskutierenden, immer wieder auseinander stiebenden Versammlung
beim Fotoshooting zuschaute. Aber gut aufeinander eingespielte
Flöhe, denn bei 400asa arbeitet man schon seit Jahren im
Kollektiv und weiss, wie verschiedene Ansichten unter einen Hut
gebracht werden können. Auch die Vorstellungen, wie ein Gruppenporträt
von 400asa auszusehen habe, sind entsprechend vielfältig.
Bis jede und jeder in der Reihe steht, lässt sich die Diskussionskultur
der Jungfirma in vivo studieren. Der Forschergeist erkennt Spuren
der 68er-Pädagogik, die die meisten der Protagonisten wohl
am eigenen Leib erfahren haben, und wundert sich leise, dass am
Ende doch alle zufrieden sind: Das Betriebsklima der frisch gegründeten
Produktionsfirma (mit Eintrag im Handelsregister) mag zu-weilen
hektisch sein, aber die Stimmung ist liebevoll und entspannt.
Diagnose: Bieder und abhängig
Bisher kannte man 400asa als freie Theatergruppe, die mit den
unterschiedlichsten Arbeiten überraschte. Dass man auch mit
grossen Budgets umgehen kann, bewies der kreative Haufen mit der
«äffischen» Eröffnungsproduktion für
die Expo.02, die für einigen Zündstoff sorgte. Der Schritt
zur Firmengründung kam aber erst jetzt, mit dem Grossprojekt
«Die Letzte Chance», das die nächsten Jahre im
Schaffen des Künstlerkollektivs bestimmen soll. Vor einigen
Monaten hat sich 400asa zum Ziel gesetzt, dem Schweizer Film auf
die Beine zu helfen. Hinter den Kulissen beklagt man da ja schon
seit längerem die vorherrschende Biederkeit und Provinzialität,
die - meist nur hinter vorgehaltener Hand - der Abhängigkeit
von den grössten Geldgebern, also dem Schweizer Fernsehen
einerseits und dem Staat andrerseits, zugeschoben wird. Aus Angst,
es sich mit den Subventionsgebern zu verscherzen, verzichten in
den Augen des Künstlerkollektivs zu viele Filmschaffende
darauf, ihre eigenen Vorstellungen in die Tat umzusetzen.
Scheitern ist auch interessant.
Auch im Scheitern liege ein grosses künstlerisches Potenzial,
ist die Runde überzeugt, und es herrscht Einverständnis
darüber, dass ja gerade auch der Lerneffekt und Erkenntniswert
ihrer Arbeit für die Zufriedenheit der Mitarbeiter verantwortlich
sei. Neben der eher aussergewöhnlichen Firmenstruktur versteht
sich, die nicht nur Mitspracherecht garantiert, sondern auch viel
Teilzeitarbeit ermöglicht. Das liegt nicht zuletzt daran,
dass fast alle Eltern sind und Zeit für ihre Kinder haben
wollen. Ein Luxus, den sich freie Kulturschaffende sonst kaum
leisten können.
Mit einem Kreissystem lässt sich die Firmenstruktur am besten
beschreiben: Der berühmte Stein, der ins Wasser geworfen
wird, wäre dann die Produktion, von der die involvierten
Personenkreise wie konzentrische Wellen abgehen, die zwar immer
grösser werden, aber auch immer schwächer, also weniger
mit der Verantwortung zu tun haben. Dem innersten Kreis entspricht
eine Kerngruppe aus sechs Leuten - Barbara Terpoorten-Maurer,
Wanda Wylowa, Urs Bräm, Michael Sauter, Samuel Schwarz und
Philipp Stengele -, die schon seit ihrer Studienzeit zusammenarbeiten.
Jede und jeder übernimmt neben eigenen Projekten (Barbara
Maurer zum Beispiel ist derzeit mit «Lenz» im Kino
zu sehen) auch firmenspezifische Aufgaben, vom Aufbau der Website
über die technische Koordination bis zur Ausar-beitung der
umfangreichen Dossiers zu den einzelnen Filmprojekten, die den
Fördergremien vorgelegt werden müssen. Andere Aufgaben
werden an den grösseren Kreis der Mitarbeiter delegiert,
und mittlerweile vergibt man bereits Aufträge nach aussen
- «Outsourcing» also, wie es sich für eine moderne
Firma gehört.
Fussballmuffel gesucht
So entsteht auch das kurze Roadmovie «Vom Limmatplatz
zum Xenix», das live während des WM-Finals an der Zürcher
Langstrasse gedreht werden soll. Dazu werden übrigens noch
möglichst viele Fussballmuffel als Statisten ge-sucht, die
sich an diesem Abend lieber kreativ betätigen, als vor der
Glotze zu hängen.
Der ganzheitliche Anspruch der frisch gebackenen Produktionsfirma
äussert sich auch im Umstand, dass sie ihre Erfahrungen gern
öffentlich dokumentiert. Nach Vorhölle («Limbo»,
im Dezember in der Roten Fabrik) und Hölle («Enfer»
folgte im Februar) befindet man sich derzeit im Fegefeuer («Purgatoire»).
Der Weg ins Paradies geht also noch weiter.
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