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"CH-ROCK" - THUNER TAGBLATT, 21.12.2005

400 ASA MIT «CH-ROCK» IM THUNER KULTURLOKAL MOKKA
«Dr Rock'n'Roll isch längscht tot»

Was haben Rock¹n¹Roll und das Theater gemeinsam? «CH-Rock» wagt den Versuch und zieht Parallelen. Wer meint, mit 400asa im Mokka lediglich in den Genuss eines Rockkonzert zu kommen, könnte sich täuschen...
Scheinbar ausser Rand und Band, aber doch in einer stoischen, monotonen Art dreht die leuchtende Discokugel am Bühnenrand ihre Runden, während die Band auf der Bühne rockt, dass die Fetzen fliegen: «CH-Rock»-Sänger Friedli schüttelt die langen schwarzen Haare und heult scheinbar ekstatisch ins Mikrophon zu den harten Riffs und dem dröhnenden, vorantreibenden Sound seiner Band. Das Reunion-Album «Mir sy glücklech» stürmte in den vergangenen Wochen die Charts in aller Welt und vermochte gar die Märkte in Argentinien und Japan aufzumischen.
Doch am Ende ihrer Tournee suchen Friedli, Sängerin Sand, Fred (Bass), Rolf (Drums), Reto (Gitarre) ihren Ursprung, ihre Wurzeln und die Nähe zu den treuen Fans ­ analog zu den Rolling Stones: Lediglich zwei Dutzend Fans kamen gestern Abend in der Kaffe/Bar Mokka in den Genuss, sich den Gig der grössten Band der Schweizer Musikgeschichte im Rahmen der Memorial Tour 2005 anzusehen.

Was wäre denn, wenn?
«Bitte nomau afa», kommandiert derselbe Friedli, jetzt aber abgeklärt und ruhig, auf der kleinen Bühne kurze Zeit später. Die beiden Kameramänner begeben sich in Position, warten auf ihr Zeichen. «I mah nüm, i gah furt ines Sändeloch u schalte ds Handy eifach ab...» singt der Sänger und bricht dann ab. Aussenstehenden wird klar: Die Szenerie ist gestellt, das Konzert aber echt. Friedli, mit bürgerlichenm Namen Samuel Schwarz, will rotes Licht und Nebel auf der Bühne, die blonde Sängerin im ultrakurzen goldenen Kleidchen posiert neckisch und schwingt verführerisch ihre Hüften ­ sie hört auf den Namen Wanda Wylowa und ist mehr Schauspielerin denn Sängerin. Auch die Konzertbesucher sind gecastet und von anstehenden Fans kann keine Rede sein.
Experiment: CH-Rock

«Übung mit verschiedenen Fiktionalitäten» nennt Samuel Schwarz das Schauspiel, das er gemeinsam mit Urs Bräm und Lukas Bärfuss zu Papier und auf schliesslich auf die Bühne gebracht hat ­ «CH-Rock» heisst sich das Experiment. Eine Band, die aus Schauspielern besteht ­ von Playback kann keine Rede sein, denn der Sound ist echt. Ähnlich dem Dogma der dänischen Filmemacher versucht die Gruppe 400asa mit «CH-Rock» im Rahmen der Reihe «Expeditionen» ihr Tätigkeitsfeld auszuweiten. «Rockmusik ist ein gutes Modell», erklärt Schwarz abseits der Bühne. «Der Rock¹n¹Roll ist längst tot.
Man opfert sich als Musiker wie als Theaterschaffender auf und nichts kommt zurück.» Im Theater arbeite man genauso für den Moment und hinterlasse kaum Spuren. Mit den Filmaufnahmen, die das letzte Konzert der CH-Rock-Band festhalten, will 400asa mehr Breitenwirkung erzielen ­ kommerziellen Erfolg, der nicht auf Kosten des Inhalts geht.




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