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ASA MIT «CH-ROCK» IM THUNER KULTURLOKAL MOKKA
«Dr Rock'n'Roll isch längscht tot»
Was haben Rock¹n¹Roll und das Theater gemeinsam? «CH-Rock»
wagt den Versuch und zieht Parallelen. Wer meint, mit 400asa im
Mokka lediglich in den Genuss eines Rockkonzert zu kommen, könnte
sich täuschen...
Scheinbar ausser Rand und Band, aber doch in einer stoischen,
monotonen Art dreht die leuchtende Discokugel am Bühnenrand
ihre Runden, während die Band auf der Bühne rockt, dass
die Fetzen fliegen: «CH-Rock»-Sänger Friedli
schüttelt die langen schwarzen Haare und heult scheinbar
ekstatisch ins Mikrophon zu den harten Riffs und dem dröhnenden,
vorantreibenden Sound seiner Band. Das Reunion-Album «Mir
sy glücklech» stürmte in den vergangenen Wochen
die Charts in aller Welt und vermochte gar die Märkte in
Argentinien und Japan aufzumischen.
Doch am Ende ihrer Tournee suchen Friedli, Sängerin Sand,
Fred (Bass), Rolf (Drums), Reto (Gitarre) ihren Ursprung, ihre
Wurzeln und die Nähe zu den treuen Fans analog zu den
Rolling Stones: Lediglich zwei Dutzend Fans kamen gestern Abend
in der Kaffe/Bar Mokka in den Genuss, sich den Gig der grössten
Band der Schweizer Musikgeschichte im Rahmen der Memorial Tour
2005 anzusehen.
Was wäre denn, wenn?
«Bitte nomau afa», kommandiert derselbe Friedli,
jetzt aber abgeklärt und ruhig, auf der kleinen Bühne
kurze Zeit später. Die beiden Kameramänner begeben sich
in Position, warten auf ihr Zeichen. «I mah nüm, i
gah furt ines Sändeloch u schalte ds Handy eifach ab...»
singt der Sänger und bricht dann ab. Aussenstehenden wird
klar: Die Szenerie ist gestellt, das Konzert aber echt. Friedli,
mit bürgerlichenm Namen Samuel Schwarz, will rotes Licht
und Nebel auf der Bühne, die blonde Sängerin im ultrakurzen
goldenen Kleidchen posiert neckisch und schwingt verführerisch
ihre Hüften sie hört auf den Namen Wanda Wylowa
und ist mehr Schauspielerin denn Sängerin. Auch die Konzertbesucher
sind gecastet und von anstehenden Fans kann keine Rede sein.
Experiment: CH-Rock
«Übung mit verschiedenen Fiktionalitäten»
nennt Samuel Schwarz das Schauspiel, das er gemeinsam mit Urs
Bräm und Lukas Bärfuss zu Papier und auf schliesslich
auf die Bühne gebracht hat «CH-Rock» heisst
sich das Experiment. Eine Band, die aus Schauspielern besteht
von Playback kann keine Rede sein, denn der Sound ist echt.
Ähnlich dem Dogma der dänischen Filmemacher versucht
die Gruppe 400asa mit «CH-Rock» im Rahmen der Reihe
«Expeditionen» ihr Tätigkeitsfeld auszuweiten.
«Rockmusik ist ein gutes Modell», erklärt Schwarz
abseits der Bühne. «Der Rock¹n¹Roll ist längst
tot.
Man opfert sich als Musiker wie als Theaterschaffender auf und
nichts kommt zurück.» Im Theater arbeite man genauso
für den Moment und hinterlasse kaum Spuren. Mit den Filmaufnahmen,
die das letzte Konzert der CH-Rock-Band festhalten, will 400asa
mehr Breitenwirkung erzielen kommerziellen Erfolg, der nicht
auf Kosten des Inhalts geht.
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