Laudatio
Ich dachte, mich tritt ein Pferd ...
Sachen gibt's! Da kommt die Zürcher Radio-Stiftung mit einem
veritablen Professor als Präsidenten daher, also eine Institution,
die 60 Jahre lang Zeit hatte, vernünftig, brav, langweilig
zu werden ...
Und diese Radio-Stiftung vergibt jetzt also einen Radiopreis in
der Höhe von 20'000 Franken ausgerechnet an die Sendung 'Röstiblitz'
im Radio LoRa! Radio LoRa? Ist das nicht dieses Radio, bei dem man
im Auto als Spontanreflex auf den Sucher drückt, weil man als
banaler Konsummensch nun einfach kein ohrales Bedürfnis nach
der politischen Deklaration des kurdischen Freiheitskampfes hat?
Die real existierende Tristesse des basisdemokratischen Lokalradios?
Ausgerechnet das alternative Radio, wo die betroffenen Stimmen der
'Lokalradiomachenden' keine Lebensfreude, keinen Spass hinüberbringen
dürfen und dafür Ausdruck von viel furchtbarer 'political
correctness' sind. Wo das timbrale Futter grausam gesund und immer
noch quarkiger sein muss? Ich dachte, mich tritt ein Pferd. Damals
zu Bewegungszeiten hätte die Bundespolizei subito eine Fiche
angelegt über eine Jury, die sich erlaubt hätte, dem Zürcher
Alternativradio einen Preis zu verleihen. Schön, dass dieses
dumme Links-Rechts-Schema nach den Kalten Jahren endlich vorbei
ist. Heute geht es nur noch um Schnorrer und Macher, um Dumme und
Kluge. Ganz gleich, ob diese Dummen nun links oder rechts stehen.
Es hat von der Sorte auf beiden Seiten genug ...
Die Hörspielreihe 'Röstiblitz' ist eine blitzgescheite,
doppelbödige Sendung, in der kein Klischee Klischee genug ist,
um nicht verbraten zu werden. Es braucht einige Zeit des Hinhörens,
bis man realisiert, wie doppelbödig und realsatirisch die sind.
Die verarschen in ihrer Seifenoper nicht nur alle gängigen
Klischees und Feindbilder des bösen Kapitalismus, sondern auch
sich selbst und die Klischees der Berufsbetroffenen noch mit dazu.
[Daniel E. Eggli]
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