PRESSEARCHIV

RöSTIBLITZ - RADIOMAGAZIN - 15-21.1.1999
Laudatio

Ich dachte, mich tritt ein Pferd ...

Sachen gibt's! Da kommt die Zürcher Radio-Stiftung mit einem veritablen Professor als Präsidenten daher, also eine Institution, die 60 Jahre lang Zeit hatte, vernünftig, brav, langweilig zu werden ...

Und diese Radio-Stiftung vergibt jetzt also einen Radiopreis in der Höhe von 20'000 Franken ausgerechnet an die Sendung 'Röstiblitz' im Radio LoRa! Radio LoRa? Ist das nicht dieses Radio, bei dem man im Auto als Spontanreflex auf den Sucher drückt, weil man als banaler Konsummensch nun einfach kein ohrales Bedürfnis nach der politischen Deklaration des kurdischen Freiheitskampfes hat? Die real existierende Tristesse des basisdemokratischen Lokalradios? Ausgerechnet das alternative Radio, wo die betroffenen Stimmen der 'Lokalradiomachenden' keine Lebensfreude, keinen Spass hinüberbringen dürfen und dafür Ausdruck von viel furchtbarer 'political correctness' sind. Wo das timbrale Futter grausam gesund und immer noch quarkiger sein muss? Ich dachte, mich tritt ein Pferd. Damals zu Bewegungszeiten hätte die Bundespolizei subito eine Fiche angelegt über eine Jury, die sich erlaubt hätte, dem Zürcher Alternativradio einen Preis zu verleihen. Schön, dass dieses dumme Links-Rechts-Schema nach den Kalten Jahren endlich vorbei ist. Heute geht es nur noch um Schnorrer und Macher, um Dumme und Kluge. Ganz gleich, ob diese Dummen nun links oder rechts stehen. Es hat von der Sorte auf beiden Seiten genug ...

Die Hörspielreihe 'Röstiblitz' ist eine blitzgescheite, doppelbödige Sendung, in der kein Klischee Klischee genug ist, um nicht verbraten zu werden. Es braucht einige Zeit des Hinhörens, bis man realisiert, wie doppelbödig und realsatirisch die sind. Die verarschen in ihrer Seifenoper nicht nur alle gängigen Klischees und Feindbilder des bösen Kapitalismus, sondern auch sich selbst und die Klischees der Berufsbetroffenen noch mit dazu.

[Daniel E. Eggli]

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