PRESSEARCHIV

ZOMBIES - HERBST DER UNTOTEN - AARGAUER ZEITUNG, 24.12.2004

Der Terroristenschlumpf als Fernseh-Realität

Gegenprogramm Weihnachten mit den «Zombies» von 400asa im Zürcher Theaterhaus Gessnerallee
Tobias Gerosa

Die Gruppe 400asa ist ein erfolgreicher Schweizer Theater-Exportartikel und seit ihrer 1.-August-Inszenierung an der Expo.02 berühmt-berüchtigt. In der Gessnerallee sind nun zwei Inszenierungen der Provokateure um Regisseur Samuel Schwarz zu sehen. Vor der Wiederaufnahme des umstrittenen Beltrametti-Stücks «B» kam am Mittwoch die Zürcher Fassung ihrer Hamburger «Zombies» zur Aufführung. Ein Stück über Wirkung und Konstruktion der Terrorangst, durchgespielt als Kampf der untoten Schwarzschlümpfe.

Die Schwarzschlümpfe sind überall. Sogar in den Bunker der Eingeschlossenen drohen sie einzudringen und nicht einmal der hemdsärmlige Militärschlumpf («En Schuss in Gring! Das si alls Schlammsäck!») mit seinen «Buebe» wird ihrer Herr. Als untote Tote, beisswütig und darauf bedacht, auch die guten Blauschlümpfe zu ihresgleichen zu machen, bedrohen sie die Welt.
Als 400asa im November 2003 am Hamburger Schauspielhaus ihre «Zombies» zur Premiere brachten, explodierten am gleichen Tag Bomben vor der britischen Botschaft in Istanbul. Fast ein zynischer Kommentar, als hätten die Schwarzschlümpfe zugeschlagen. Aber «Zombies, Herbst der Untoten» von Samuel Schwarz und Raphael Urweider ist kein Stück über Terrorismus, sondern eines über den medialen und intellektuellen Umgang mit der Bedrohung. Thematisch und formal wagt sich das Stück auf glitschiges Terrain, droht bisweilen über die eigenen Ambitionen und Attitüden eines betont einfachen und anti-illusorischen Theaters zu stolpern – und führt doch zu einer produktiven Verunsicherung.

Satirisches Gegenprogramm
Schlümpfe sind wir alle: Naiv leben wir im Wald, ahnen vielleicht Gefahren, aber wissen wir wirklich? «Tele Irgendwas» berichtet live; aber zeigt die Glotze die Realität? Während beim zentralen, als TV-Talkrunde getarnten Hahnenkampf der Vorzeigeintellektuellen die Vorbilder noch einigermassen getarnt sind, wird die Stossrichtung überdeutlich, wenn «der Gorilla mit den auffallend eng stehenden Augen» sein Plakat mit «Gargantua-bin-Laden» aufhält. Dass die blutige Sezierung des Schwarzschlumpfs nur ab live kommentierter Videoaufzeichnung aus Hamburg zu sehen ist, irritiert. Wollen sie den Feind nun mit seinen eigenen Waffen schlagen? Dass sich das Zürcher Publikum dabei kaum zum Mitklatschen und Johlen bewegen liess, war zu erwarten.

Mit einer Mischung aus Zeigefinger (im Monolog des Softie-Papis, den Regisseur Schwarz anders als in Hamburg jetzt selber übernommen hat), chaotischer Persiflage (aufs Theater und immer wieder auf die Medien) und intelligent-provokativer Thematisierung nähern sich 400asa ihrem Gegenstand böse und verspielt. Schlumpf-Welt und Horrorfilm werden zur Folie gegenwärtiger Entwicklungen – oder Fehlentwicklungen, wie das Stück polemisch postuliert. Als satirisches Gegenprogramm zur weihnachtlichen Harmoniedecke durchaus zu em


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