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So schlumpfen die Untoten
Mal fulminant, mal selbstverliebt: Im Tojo der Reitschule Bern zeigt 400asa ihr Hamburger Stück «Zombies – Herbst der Untoten». Eine Mischung aus Zombie-Horror, Schlumpfgeschichte und Medienschelte.
An wortreicher Rechtfertigung und Reflexion des eigenen Tuns hat es der Theater- und Filmgruppe 400asa noch nie gemangelt. Die deutliche Tendenz zum Geschwafel machen die Theaterleute um Regisseur Samuel Schwarz aber oft mit überraschendem, rohem, schlauem oder vielschichtigem Theater vergessen. Das Publikum nachhaltig zu verwirren und alle Neigung zum Wohlfühl-Kunstgenuss des Schönen, Wahren und Guten schon im Ansatz zu unterlaufen, ist selbst deklariertes Ziel wie meist auch erfolgreiche Praxis von 400asa.
Realität und Fiktion
Im Stück «Zombies – Herbst der Untoten», das Samuel Schwarz und Raphael Urweider mit 400asa für das Schauspielhaus Hamburg entwickelt hatten, geht es um blaue und schwarze Schlümpfe, um das Verhältnis von Realität und Fiktion, das wortreiche und gedankenarme Expertengelaber über dieses Verhältnis; ums Fernsehmachen geht es, um eine alte und eine neue Beziehung, um alte und neue Ideale und um Zombies auf VHS-Kassetten.
Wie das alles zusammen passt? Tja, das ist auch nach zwei Stunden nicht ganz klar. Das soll es aber auch nicht, denn 400asa macht wohl im Kern politisches Theater, also Theater, das etwas aufnimmt und auf die Gesellschaft zurückwirken soll. Aber simple Antworten gibt es ganz bestimmt keine. Eher ist es ein Anstossen und Rütteln des Publikums.
In «Zombies – Herbst der Untoten» wird kräftig angestossen und gerüttelt. Wie Untote aufgemacht sitzen die Darsteller hinter der Theaterkasse oder schlurfen auf der Bühne des Tojo der Reitschule hin und her. Hinter der Bar stehen zwei Schlümpfe, ein Schlumpf trägt einen kleinen Plüschschlumpf im Arm. Und schon schlumpfts los. Eine ganze Reihe von Schlümpfen schlumpft um einen grossen Konferenztisch. Es sind keine süssen oder herzigen Schlümpfe, sondern solche mit stümperhaft selbst gebastelt wirkenden Masken: gestrickten, zusammengenähten oder mit Schlumpfmasken aus Gummi.
Es herrscht Notstand. Aggressive Schwarzschlümpfe bedrohen das Leben der Blauschlümpfe. 400asa nehmen damit jene Schlumpfgeschichte Peyos auf, in der der belgische Zeichner den blanken Zombie-Horror nach Schlumpfhausen brachte.
Einfach Peyo nachzuspielen, ist selbstverständlich nicht die Sache von 400asa. Eher geht es darum, wie mit solchen realen oder fiktiven Notständen umgegangen wird. Da wird diskutiert und verarbeitet: «War da was? Was war da?». Da plappern Experten hochphilosophischen Schwachsinn in TV-Gesprächsrunden, da ist die kamerageile und unterbelichtete Reporterin (in der Berner Aufführung natürlich von TeleBärn) live vor Ort und berichtet, wie man die Schwarzschlümpfe mit Kopfschuss erledigen kann. Da ist der irre Wissenschaftler, der sich mit gezielter Infektion zum Überschlumpf transformieren will.
Wirbliges Durcheinander
Unbekümmert wirbeln 400asa die Schlumpfgeschichte mit Filmstoffen von George A. Romero und Danny Boyle und mit Medienbeobachtungen durcheinander. Das ist stellenweise fulminant, gekonnt dilettantisch oder virtuos gespielt, in der Pose des Aktionstheaters aber auch selbstverliebt und etwas wichtigtuerisch – aber warum nicht. Da wechseln sich Plattitüden mit grossem Langweilepotenzial mit lustigen Einfällen und Brachialtheater ab. Ein «schöner» Theaterabend wird daraus nicht, aber ein streckenweise anregender ganz gewiss.
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