PRESSEARCHIV

ZOMBIES - HERBST DER UNTOTEN - HAMBURGER ABENDBLATT, 23.11.2003

Gewollt irrer Kommentar. "Zombies" im Malersaal

Die Schwarzschlümpfe sind los im Malersaal. In ihrem Multimedia-Projekt "Zombies - Herbst der Untoten" beschäftigen sich die Schweizer Samuel Schwarz und Raphael Urweider - Regisseur der eine, Autor der andere - mit dem Schock von Terror, Angst und Krieg nach dem 11. September.

Nur scheinbar gemütlich blödelnd, bereiten sie dem Zuschauer ein Monster-Wechselbad zwischen intelligenter Attacke und trashiger Parodie. Liefern einen satirischen, gewollt wirren Kommentar zu den verwirrten Zeiten.

Alles wird Schlumpf. Die Drohung löst Panik aus. Nicht nur die Blauschlumpf-Familie setzt sich gegen die Killermaschinen zur Wehr.

Der Medienapparat reagiert mit Schnellschussfeuer aus Breaking News und Talk-Schwachsinn. Dessen Terror wird in der bisweilen im wahrsten Wortsinn bewusst gruseligen Show vorgeführt. Wie auch Vertreter des wissenschaftlichen Diskurses in Gestalt von Herrn Schlotter und Herrn Baudri.

Thomas Kügel und Matthias Breitenbach liefern kabarettreife Karikaturen der philosophischen Frontmänner Peter Sloterdijk und Jean Baudrillard.

Wie gewohnt zappt Schwarz mit den Darstellern und dem Musiker Ted Gaier von der Hamburger Band Goldene Zitronen durch alle Spielstile: vom Slapstick über den großen Monolog, das poetische Lied bis zum präzisen Chorsprechen. Die fast dreistündige Aufführung bleibt Geschmackssache, entwickelt aber bei allen Längen und gewollten Ungereimtheiten Witz und Biss.


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