PRESSEARCHIV

ZOMBIES - HERBST DER UNTOTEN - HAMBURGER MORGENPOST, 24.11.2003

Die Angst vor unserer Inneren Sicherheit.
Gruseln und Grübeln: Dreistündige Uraufführung von "Zombies - Der Herbst der Untoten " im Malersaal

Es ist dunkel im Malersaal des Schauspielhauses. Irgendwo wispern Stimmen. Zwei Lichter wackeln auf uns zu. Das wäre nicht weiter erschreckend, stünde nicht eine Uraufführung auf dem Programm – Titel „Zombies – Der Herbst der Untoten“.

Raphael Urweider und Samuel Schwarz von der Schweizer Gruppe „400asa“ sind die Verursacher des Grauens. Sie verwenden Elemente aus Horrorfilmen und machen sich einen Jux daraus. Weil die jungen Schweizer aber viel mehr wollen, als harmlosen Malersaal-Besuchern das Gruseln beizubringen, bricht das theatralische Chaos aus. Wir ahnen, dass dies kalkuliert ist, machen dennoch an dieser Stelle den Versuch, Struktur in den fast dreistündigen Abend zu bringen.

Kernthema ist die Angst. Die zwei, die da mit ihrer Taschenlampe herumfuchteln, entpuppen sich als Schlümpfe. Die Kerlchen haben sich verschanzt, aus Angst vor etwas, das – im doppelten Sinne – nicht zu fassen ist, das draußen wütet, manchmal ins Innere durchbricht und dort die scheinbare Sicherheit bedroht. Es sind die Schwarz-Schlümpfe, die Zombies, die auch maskierte Terroristen sein könnten. Ein Bild für die allgemeine Paranoia der „demokratischen Gesellschaft“, die sich bedroht fühlt von Katastrophen, die – der 11. September hat es gezeigt – jederzeit hereinbrechen können.

Begleitthema ist die Betroffenheit: „Nichts wird mehr sein, wie es war.“ Immer wieder wird dieses Lamento vom virtuosen Ensemble wiederholt. Doch die Berichterstattung wiegt in Sicherheit: Schuss ins Genick, und karrenweise werden die „Unschlümpfe“ entsorgt. Irritation keimt auf: Ist das Monster wirklich das Böse? Oder ist es vielmehr der Kämpfer gegen den Terror? Oder gar der Intellektuelle mit seiner These, dass Gewalt nicht real, sondern symbolhaft sei? Oder ist es Michael Jackson mit seinem „Thriller“-Video?

An dieser Stelle geben wir das Strukturieren dann auch gern wieder auf. „400asa“ haben so ziemlich alles verwertet, was einem zum Thema globale Angst einfällt. Am Ende entlässt uns die Offenbarung des Johannes, die Apokalypse, ohne Hoffnung. Man mag ermüdet sein – aber dieses theatralische Chaos zwingt zum Weiterdenken.

 


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