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Medien-Satire «Zombies - Herbst der Untoten» uraufgeführt
Von Ekkehard Rossmann
Hamburg - Die Schwarzschlümpfe erobern die Welt. Ein blaugesichtiges Schlumpf-Paar flüchtet mit seinem Schlumpf-Baby vor dem Angriff der zähnefletschenden Monster in den Malersaal-Bunker des Hamburger Schauspielhauses. Die Szene ist eher zum Lachen als zum Fürchten, wie das sich amüsierende Premierenpublikum bestätigte. Inspiriert durch die Horrorfilme von George A. Romero entwarfen der Regisseur Samuel Schwarz und Autor Raphael Urweider eine Satire auf die Reaktionen von Intellektuellen und Medien nach der Katastrophe vom 11. September.
Schwarz ist in seiner Theaterarbeit, stark von Film beeinflusst. Er bevorzugt einen sprunghaften, unkonventionellen Stil-Mix mit Video und Live-Musik. Der 1971 im Emmental geborene Schweizer arbeitet zusammen mit Autoren wie Lukas Bärfuss oder dem Lyriker Urweider, mit Bühnenbildnern, Choreografen und Musikern wie Ted Geier von der Hamburger Band «Goldene Zitronen». Schwarz schafft aber auch den künstlerischen Spagat zu Klassikern, hat in Basel Lessings «Miss Sara Sampson» (2002) und in Bochum 2003 Goethes «Clavigo» erfolgreich inszeniert.
In der «Zombie»-Show sampelt der Regisseur wild Bibel- und Baudrillard-Texte, schneidet TV-Talk-Parodie («Nichts mehr wird so sein, wie es einmal war») gegen Michael Jacksons «Thriller»-Gehampel. Er attackiert die «greisen Medienmeinungsmacher» genauso wie die Klugscheißer der Wissenschaft. «Herr Baudi» im Rollstuhl näselt seine berühmte These von der Unwirklichkeit der Wirklichkeit und wird als philosophische «Labertasche» enttarnt: Für den eitlen Zyniker erhalten die Opfer vom 11. September Symbolwert durch ihren ganz real erlittenen Tod.
Schwarz und Urweider haben sich etwas zu viel vorgenommen. Manchmal erhebt sich im Geschlumpfe drohend der pädagogische Zeigefinger, dann gelingen wieder konzentrierte Szenen, wie die Monologe von Thomas Kügel und Ben Daniel Jöhnk im zweiten Teil. Oder die Diskurs-Persiflage bei der «Burschenschaft des Wissens». Stark auch das Finale: Die sieben Spieler beschwören als Engel der Apokalypse mit den erloschenen Augen und blutigen Visagen der Untoten in rhythmischer Rezitation des Johannes-Textes aus dem Neuen Testament die Schrecken vom Untergang der Welt. Ganz klar: Die Vision ist zur Realität geworden. |