|
Gegendarstellung zu der SDA-Pressemeldung
zu der Premiere von "Wilhelm Tell"
Die SDA Berichterstattung zu der "Wilhelm Tell" Premiere
in St.Gallen ist unakzeptabel. Dies aus verschiedenen Gründen.
Die SDA Pressemeldung beschreibt meine Aufführung hinsichtlich
eines wichtigen Punktes falsch. Zitat: "Schwarz lässt
den Tell im Gefangenenlager Guantanamo und im irakischen Gefängnis
Abu Graib spielen". Ich verwehre mich gegen den Eindruck,
dass diese Aufführung solchen polemischen Anti-Amerikanismus
betreibt. In meiner Aufführung sieht man eine Gruppe radikalisierter
deutscher und schweizerischer Kulturschaffender, die sich Schillers
Tell zu Nutzen machen und mit sich selber Folter-Bilder nachstellen.
Die massive Einflechtung von Zitaten aus der Nazi- und DDR Vergangenheit
macht auf deutliche Art und Weise klar, dass es uns um die deutsche
(und schweizerische) Vereinnahmung von "Tell" für
politische Zwecke geht und nicht um die Kritik an der Gefängnispraxis
der Vereinigten Staaten.
Kritisiert wird vielmehr ein salonfähiger, bequemer und versimplifizierender
Anti-Amerikanismus, der die Heraufbeschwörung amerikanischer
Gräueltaten als Rechtfertigung für eine kulturelle Ueberlegenheit
nutzt.
Zudem findet eine konkrete Benennung der Gefängnisse in der
Aufführung nicht statt.
In keiner Weise betonte ich eine Hetzjagd gegen meine Person,
wie in der SDA Meldung steht. Bei dem Gespräch - wie auch
in Artikeln des St.Galler Tagblatts - äusserte ich Kritik
an der Vereinfachung und Reduzierung unserer Produktion auf einen
"Skandal" und dass die Berichterstattung von SF der
Argumentation von "20 Minuten" folgt, ohne Kenntnis
der Aufführung. Bei dem Gespräch mit dem SDA-Redaktor
betonte ich vielmehr unseren Versuch, "Wilhelm Tell"
als Propagandastück zu zeigen, das in den letzten 200 Jahren
von politischen Richtungen gebraucht und missbraucht wurde.
Mit der herabsetzenden Ueberschrift "Harmlose Tell Premiere"
wird weiter der Eindruck erweckt, wir seien an unserer Absicht,
zu schockieren, gescheitert. Dabei betonte ich in dem Gespräüch
mit dem SDA-Redaktor vor der Premiere, dass die Assoziation zu
Friedrich Leibacher eine von vielen ist und dass es uns um eine
differenzierte Auseinandersetzung mit dem Propaganda-Komplex "Wilhelm
Tell" und nicht um eine Provokation als Selbstzweck geht.
Dies habe ich auch in den beiden Interviews im St.Galler Tagblatt
wie in den diversen Radio- und TV Interviews mehrfach erwähnt.
Zudem wird in der SDA Pressemeldung eine Selbstzensur vor der
Premiere suggeriert. Dem widerspreche ich in aller Form. Die Berichterstattung
von "20 Minuten" und SF hatte keine selbstzensurierende
Wirkung und beeinflusste die Aufführung nicht.
Bei dem der Premiere vorausgehenden Gespräch machte sich
der SDA-Reporter weder Notizen, noch nahm er das Gespräch
auf Band auf. Nur so kann ich mir erklären, dass die SDA-Berichterstattung
gegen die Prinzipien von journalistischer Genauigkeit und Fairness
verstösst und letztendlich den von der Gratiszeitung "20
Minuten" vorgegebenen Jahrmarktston weiterführt. Von
einer sich nach Objektivität bemühenden Presseagentur
kann man als Kulturschaffender mehr verlangen.
Samuel Schwarz
30. September 2006
|