| 5. Oktober 2002: Volkstribunal
gegen Silvio Berlusconi, Gianfranco Fini und Claudio Scajola
Abschluss der Ausstellung
"Le Geometrie della Memoria. Nachdenken über den G8-Gipfel
in Genua" in der grossen Halle der Reitschule Bern.
Live-Übertragung auf Radio
Rabe (95.6 Mhz).
14:00-22:00 Anklage, Einvernahme der Zeugen
Mit einem kurzen theatralen Block eröffnet 400asa den Prozess
und schafft auf fiktionale Weise einen funktionierenden Rahmen für
die folgenden Berichte und Aussagen von Direktbetroffenen (Volxtheaterkarawane
und zahlreiche Einzelpersonen).
Die während 8 Stunden verlesenen Erinnerungsprotokolle über
erlebte Folter und Erniedrigung sind von hoher Eindringlichkeit und
betreffen die Anwesenden zutiefst.
22:00-01:00
"Homo Berlusconiscus". Lehrstück.
In der Form einer verschachtelten, fragmetarischen offenen Probe
setzen sich 400asa und Gäste mit den Hintergründen der Gewalt
von Genua, aber auch mit noch weiter reichenden politischen Hintergründen
auseinander. Anhand von vier Thesen bzw. Themenblöcken wird der
Bogen von der italienischen Politik- und Medienwirklichkeit zu einer
globalen, aber auch zu einer persönlichen Perspektive geschlagen.
Das Stück thematisiert nicht nur die sozial- und geschlechtspolitischen
Mechanismen und Konsequenzen ultrarechter Politik, sondern widmet
sich auch über weite Strecken hinweg dem Diskurs über Utopie
und die Möglichkeiten und Arten von Widerstand, insbesondere
nach der Legitimität von Gewaltanwendung bei Protesten.
Neben dokumentarischen Texten und Zitaten kommt auch eine Dramatisierung
eines Textes von Philip K. Dick, "Nach Yancys Vorbild" zur
Aufführung. Deren Thema, die mediale Vorbereitung der Bevölkerung
auf einen vermeintlich gerechten Krieg, zeigt spätestens im Frühjahr
2003 ihre volle Resonanz.
Das Thema "Berlusconismus" hat in der Zeit seit der Aufführung
in den nördlichen Ländern ebenfalls stark an Bekanntheit
und Dringlichkeit gewonnen.
Die in den Thesen erwähnte schweizerische Zeitschrift ist in
den letzten Monaten schweizweit zu einem dominanten und umstrittenen
Gesprächsthema geworden.
400asa hat sich mit "Homo Berlusconiscus" auf ein Experimentierfeld
gewagt, in dem sich die Arbeit auf der ganzen Linie als richtungsweisend
und visionär herausgestellt hat.
Weiter wurde viel gesungen.
01:00 Urteilsverkündung
Verschiedene - vergleichsweise milde - Urteile wurden von den zahlreich
anwesenden und ausharrenden Zuschauern basisdemokratisch gefällt.
01:30 Kollektives Ringelreihentanzen
Das Ringelreihentanzen wird trotz der allgemeinen Erschöpfung
durchgezogen.
DOKUMENTATION:
-> Thesen zu "Homo Berlusconiscus"
-> Theodor W. Adorno über Utopien
-> Aus dem "Piano di Rinascita Democratica"
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